Expertenspecial: Massageöl

Gerade in der Winterzeit sehnen sich Viele verstärkt nach einer Massage – sei es, um das Immunsystem zu stärken, um Verspannungen und Verhärtungen sanft entgegenzuwirken oder um sich einfach eine wohlige und wärmende Auszeit vom Alltagsstress zu nehmen. Da die dabei verwendeten Öle jeweils andere Gerüche und Inhaltsstoffe aufweisen, kann sich auch die Wirkung entsprechend unterscheiden – sowohl psychisch als auch körperlich. Wir haben Experten aus dem Bereich der Naturheil- und der Aromakunde befragt, welche Inhaltsstoffe was bewirken und welche sich zur Massage besonders gut eignen.

Folgende Fragen haben wir den Experten gestellt:

 

 

Das sagen die Experten

Welche Wirkstoffe eignen sich für Massagen besonders gut?

„Ein gutes Massageöl sollte dank seiner Zusammensetzung der Haut gut tun anstatt sie nur oberflächlich zu ölen. So enthalten Mineralöle beispielsweise keine nützlichen Wirkstoffe und sind allenfalls als Gleitmittel nützlich. Pflanzenöle bester Qualität dagegen enthalten wertvolle Fettsäuren, Vitamine und sogar entzündungshemmende Begleitstoffe. Sinnvoll ist der Zusatz von guten ätherischen Ölen statt künstlichen Geruchsstoffen. Denn Naturdüfte fördern physiologische Prozesse, wie beispielsweise die Ausschüttung von beruhigenden Botenstoffen: Orange, Lavendel und Rosengeranie. Bestimmte Naturdüfte können jedoch auch die Entkrampfung verhärteter Muskeln beschleunigen: Majoran, Wintergrün und Ingwer.


Bestimmte Naturdüfte können dabei helfen, den Körper zu entspannen.


Es gibt unzählige wissenschaftliche Arbeiten zur gesundheitsfördernden Wirkung von ätherischen Ölen, sodass diese je nach Befindlichkeit und Wunsch der Kunden das Massageerlebnis abrunden können. Dabei sollte auch die Nase entscheiden dürfen – Was dem einen gut tut, etwa der Duft provenzalischer Lavendelfelder, kann eine andere Person an negative Ereignisse erinnern. Die einen schwelgen in süßen Vanilledüften, andere wiederum können beim Duft der Rose am besten abschalten. Der Einfachheit halber können solche hochwertigen Mischungen fertig gekauft werden, es spricht jedoch nichts dagegen, ein neutrales Bio-Pflanzenöl (Mandel, Aprikose, Johanniskraut) mit drei bis vier Tropfen ätherischem Öl auf zehn Milliliter fettem Öl aufzuwerten.”

Eliane Zimmermann, Aromatherapeutin & Autorin

In ihrer Schule AiDA Aromatherapy International bietet die diplomierte Aromatherapeutin seit 1992 Fortbildungen in Aromatherapie an. Zu diesem Thema hat die Autorin bereits fünf Bücher veröffentlicht. Sie informiert zudem seit acht Jahren im ersten deutschsprachigen Aromatherapie-Blog. [blog.aromapraxis.de]

 

 

Wie wirken sich die Inhaltsstoffe in Massagen auf Körper und Psyche aus?

„Eine Massage ist ein ganzheitliches Erlebnis und wirkt auf Körper, Geist und Seele. Gleiches gilt für die Inhaltsstoffe des verwendeten Öls. In der ayurvedischen Medizin werden über Massagen gezielt Kräuterarzneien in die verschiedenen Gewebsschichten eingebracht, wo sie – unter Umgehung des Verdauungstraktes – sehr viel unmittelbarer ihre Heilwirkung entfalten können als bei oraler Einnahme. So sind zum Beispiel im Öl enthaltene Wirkstoffe bereits nach kurzer Zeit im Blut nachweisbar.


Die Heilwirkung von Kräuterarzneien kann durch Massagen oft am gezieltesten erfolgen.


Auf die Psyche wirken die Inhaltsstoffe hauptsächlich über ihren Duft: Wir verfügen über zirka dreißig Millionen Riechzellen in unserer Nasenschleimhaut, die nach Andocken von Duftmolekülen blitzschnelle Impulse an das limbische System senden, welches über das Aussenden von Neurotransmittern maßgeblich unsere Gefühle und unser Seelenleben beeinflusst.”

Andrea Wichterich, Heilpraktikerin, Yogalehrerin & Autorin

Neben Natur-Retreats und Seminaren zum Thema Heilpflanzen und Yoga arbeitet die Heilpraktikerin in ihrer Praxis mit Phytotherapie, Yogatherapie und Ausleitungsverfahren. Während mehrerer Indienreisen vertiefte sie ihre Kenntnisse der ayurvedischen Medizin und erlernte verschiedene Massagetechniken. [naturheilkundepraxis.eu]

 

 

Gibt es bestimmte Inhaltsstoffe, die schmerzlindernd wirken?

„Bei schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates, zum Beispiel durch Überlastung, degenerativer oder entzündlicher Prozesse, kommen spezielle Aromaölmischungen zur Anwendung. Entzündungshemmend wirken hier vor allem Öle, die reich an Eucalyptol sind: Cajeput, Eukalyptus, Lorbeer und Myrte, aber auch Geranie, Angelikawurzel, Lavendel, Kamille blau, Weihrauch und Sandelholz haben entzündungshemmende Eigenschaften.


Öle, die reich an Eucalyptol sind, wirken besonders entzündungshemmend.


Je nach Art der Erkrankung und der Vorliebe des Patienten kann hier eine individuelle Ölmischung zubereitet werden. Bei Schmerzen infolge von Muskelverhärtung kommen insbesondere Kiefernadel, Wacholderbeere, Thymian und Rosmarin zum Einsatz, die durchblutungsfördernd wirken. Schmerzlindernd wirken unter anderem Gewürznelke, Zimt oder Tonka. Um die Wirkstoffe der Aromaöle schneller ins Gewebe zu bringen, ist der begleitende Einsatz von Wärme sinnvoll – zum Beispiel durch Auflagen, Rotlicht- oder TDP-Lampe.”

Claudia Koch, Heilpraktikerin & Qual. Homöopathin

Als qualifizierte Homöopathin therapiert die Heilpraktikerin schwerpunktmäßig homöopathisch. Ergänzend hierzu kommen diverse Ausleitungs- und Entgiftungsverfahren sowie manuelle Anwendungen zum Einsatz: diverse Massagen, Ohrakupunktur und Kinesio-Taping. [naturheilpraxis-ckoch.com]

 

 

Welche Öle und Kräuter eignen sich bei Muskelverspannungen am meisten?

„Das aus den Stängeln, Blüten und Blättern des Johanniskrauts gewonnene Öl – wegen seiner roten Farbe auch ‘Rotöl’ genannt – eignet sich äußerlich angewendet besonders zum Massieren verspannter Muskulatur. Auch Prellungen und Verstauchungen werden durch die enthaltenen entzündungshemmenden Pflanzenstoffe gelindert. Hyperforin und Hypericin sind die Hauptbestandteile des Johanniskrauts. Dem Hyperforin wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Außerdem wirkt es antidepressiv, wenn man es oral einnimmt.


Öl aus Johanniskrautextrakten eignet sich besonders gut zum Massieren verspannter Muskeln.


Das Hypericin, welches dem Johanniskrautöl seine rote Farbe verleiht, kann bei sensibler Haut zu allergischen Reaktionen und zu erhöhter Sonnenempfindlichkeit führen. Ferner kann es auf die Kleidung abfärben. Aus diesem Grund bevorzuge ich die ‘entrötete’, also die hypericinfreie Variante auf Olivenölbasis. Dank des enthaltenden Hyperforins hat es die gleiche Wirkung wie Rotöl, aber ohne allergenes Potential. Auch innerlich kann Johanniskrautöl eingesetzt werden, zum Beispiel in Form von Kapseln, die Johanniskraut enthalten. Es ist ein altbewährtes Hausmittel mit vielfachen Einsatzgebieten.“

Melina Jörgens, Heilpraktikerin

Weil sie selbst unter Rückenschmerzen litt, entschied Melina Jörgens als Heilpraktikerin, auch anderen Betroffenen zu helfen. In ihrer Praxis in Wuppertal wird jede Behandlung individuell durchgeführt, samt abgestimmten Therapieplan. [heilpraktikerin-in-wuppertal.de]

 

 

Sollte man für verschiedene Massagebehandlungen unterschiedliche Wirkstoffe verwenden?

„Im therapeutischen Bereich sollten je nach Behandlungsziel unterschiedliche Massageöle verwendet werden. Als Beispiel nenne ich aus dem Bereich Ayurveda die Ölmassagen, bei denen je nach Dosha-Typ bzw. je nach bestehendem Dosha-Ungleichgewicht verschiedene Öle eingesetzt werden. Die Dosha-Typen sind in der ayurvedischen Lehre unsere Funktions- und Energieprinzipien, die für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden verantwortlich sind. Zudem werden oft unterschiedliche Öle für Kopf oder Körper verwendet.


Sesamöl wirkt gewebestärkend, nervenausgleichend und wärmend. Kokosöl wirkt hingegen kühlend und entzündungshemmend.


Dabei wirkt zum Beispiel Sesamöl nährend, gewebestärkend, nervenausgleichend und wärmend; Kokosöl hingegen kühlend und entzündungshemmend. Diese Basisöle werden aufbereitet mit verschiedenen Kräutern und bei Krankheiten und Beschwerden gezielt eingesetzt, zum Beispiel bei Schmerzen, Stress, Muskel- und Gelenkproblemen. Im Wellnessbereich kommt es eher auf die Hautverträglichkeit der Öle und Aromen (Vorsicht bei Allergien) und einen angenehmen Geruch an. Unterschiedliche Öle und Inhaltsstoffe sind nicht unbedingt notwendig, da man im Wellness nicht gezielt Beschwerden behandeln darf.”

 

Welche Rolle spielen Gerüche dabei?

„Ätherische Öle werden unter anderem in der Phytotherapie und Aromatherapie verwendet, sie finden sich aber auch in Fertigpräparaten und Medikamenten. Diese Öle und Aromen haben bei der Einnahme spezifische Wirkungen, wirken teils aber auch über den Geruchssinn und erreichen wie alle Gerüche direkt das limbische System. So können neben einem Wohlgefühl (Wellness) über Gerüche bzw. Aromen auch bestimmte therapeutische Wirkungen erreicht werden.”

Dr. Martin Hoßfeld, Heilpraktiker & Biologe

In seiner Praxis für allgemeine Heilpraktik bei Aachen widmet sich der Heilpraktiker den Schwerpunkten Massage, manuelle Therapiemethoden, Phytotherapie, Ayurveda sowie der traditionellen chinesischen Medizin. [praxis-martin-hossfeld.de]

 

 

Das sagen die Blogger

Welche Öle sind besonders gut für die Haut?

 

„Pflanzenextrakte wie Ringelblumenextrakt, Lavendelöl, Rosmarinöl und Öl der römischen Kamille eignen sich besonders gut zur Verbesserung des eigenen Hautbildes. Diese Extrakte sind zusammen mit der speziellen Wirkstoffkombination aus dem sogenannten PurCellin-Oil zum Beispiel in dem Körperöl von Bi-Oil enthalten. Es kann ganz normal für eine wohltuende Massage benutzt werden und gleichzeitig auch zur Behandlung von Narben, Dehnungsstreifen, Pigmentstörungen oder trockener Haut.


Zur Verbesserung der Haut eignen sich Öle, die Pflanzenextrakte aus der Ringelblume, Lavendel und aus Rosmarin enthalten.


Am meisten schätze ich dabei die pflanzlichen Wirkstoffe, die mir dabei zugutekommen. So hilft vor allem das Ringelblumenextrakt sehr gut bei schlecht heilenden Wunden. Auch Lavendelöl ist zur Wundheilung gut geeignet. Die Haut kann sich durch das Öl stark verbessern. Das enthaltene Lavendelöl sowie das Rosmarinöl eignen sich durch deren beruhigende Wirkung auch ideal für entspannende Massagen. Rosmarin ist in der Naturheilkunde und im kosmetischen Bereich zudem ein besonders beliebtes Mittel gegen unreine Haut.”

Maike Sauer, Lifestyle-Bloggerin

Auf Maikes Blog Maikikii erfahrt ihr Wissenswertes in Sachen Gesundheit, Beauty, Fitness und Fashion. Die Lifestyle-Bloggerin gibt zusätzlich spezielle Reise- und Musikberichte und lässt dabei ihren Gedanken zu den verschiedensten Themen freien Lauf. [maikikii.de]

 

 

Übersicht: Welche Inhaltsstoffe haben welche Wirkung?

Ein gutes Massageöl sollte als Basis immer aus einem guten Pflanzenöl bestehen, das durch wertvolle Bio-Inhaltsstoffe und Vitamine auch zeitgleich die Haut pflegt, zum Beispiel Mandelöl, Aprikosenöl, Johanniskrautöl, Sojaöl oder Rapsöl. Je nach (Geruchs-)Vorliebe und Bedürfnis kann dann ein naturreines ätherisches Öl dazugegeben werden. Denn erst diese verleihen der Massage die entsprechend gewünschte Wirkung. Wir haben hier eine Liste wichtiger Wirkstoffe zusammengestellt:

Efeu, Kastanie
– abschwellend

Eukalyptus
– entzündungshemmend

Grapefruit, Zitrus
– belebend, gegen Krampfadern und Cellulite

Jasmin, Kardamom, Vanille
– stimmungsaufhellend

Johanniskraut    
– muskelentspannend

Kamille
– beruhigend, entzündungshemmend

Kiefernadel
– vitalisierend, muskelentspannend

Koffein, Grüner Tee, Guarana
– fettabbauend

Kokos
– kühlend, entzündungshemmend

Lavendel
– beruhigend, hautverbessernd

Lemongras/Zitrus
– energetisch, durchblutungsfördernd

Melisse
– entspannend

Rosenblüten
– ausgleichend

Rosmarin
– erfrischend, entwässernd, hautverbessernd

Sesam
– gewebestärkend, nervenausgleichend

Thymian
– krampflösend, anregend

Wacholder
– entgiftend, reinigend

Zedern
– regt Lymphfluss an, fördert Entwässerung

Zypresse
– zusammenziehend, durchblutungsfördernd

 

Wir möchten allen Experten für Ihre Statements und die Teilnahme an diesem Artikel danken!